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Die Kunst des Pflügens

Am Wochenende vom 19. und 20. August wird in Diessenhofen der Europameister im Pflügen gekürt

Auf dem Stoppelfeld: Beat Sprenger erklärt den Pflug, mit dem er zur Europameisterschaft starten wird. Rechts Urban Dörig, Pächter der Austragungs-­Felder.

 

(drd) Über dem Rheinufer im Westen von Diessenhofen ziehen Traktoren schnurgerade Furchen in die Erde. Das Grossereignis auf der Domäne St. Katharinental, einem ehemaligen Klosterbetrieb, beginnt am Donnerstag, 17. August, mit der Schweizermeisterschaft. Am darauffolgenden Samstag und Sonntag wetteifern Pflüger aus ganz Europa um den begehrten Europameisterschafts-Titel. Jeder Teilnehmer reist mit seinem eigenen Traktor und Pflug an. Zwölf Länder mit je zwei-Teams sind an der EM vertreten.
Moderator am Medienempfang am vergangenen Mittwoch war Roman Engeler, Vizedirektor des Schweizerischen Verbandes für Landtechnik. Als OK-Präsident amtet SVP-Nationalrat Hansjörg Walter. Er bewirtschaftet als Landwirt mit Meisterprüfung den Hof seiner Familie in Wängi. Walter orientierte die Medienvertreter über den Ablauf des Wettpflügens. Am Freitag nach der SM dürfen die EM-Teilnehmer auf Feldern in der Nachbarschaft trainieren. Mitgereisten Angehörigen und Fans wird ein Rahmenprogramm angeboten. Sie erleben den Rhein, den Rheinfall und den Säntis. Musikalische Unterhaltung auf dem Festplatz bieten das Alphorn-Trio Stammertal, der Jodlerclub Edelwyss und der Musikverein Schlattingen. Marktstände, eine Ausstellung mit alten Landmaschinen und ein Kinderparadies machen den Wettkampf zu einem Fest für die ganze Familie. Eine Abendunterhaltung ist nicht vorgesehen.

45 Hektaren stehen zur Verfügung
Das Pflügen sei wichtig, um Ernterückstände in die Erde zu mischen und Unkrautbefall zu reduzieren erklärte Walter. Meisterlandwirt Willi Zollinger orientierte über das Wettkampf-Reglement. Sieger wird, dessen Furchen gerade verlaufen und eine konstante Tiefe aufweisen. In dieser Kunst wurde Zollinger mehrfach Schweizermeister und Weltmeister. Urban Dörig, Pächter der Domäne, stellte die Wettkampfflächen zur Verfügung. Total 45 Hektaren Stoppelfeld und Grasland zwischen den Feldscheunen der Domäne bis zum Scharenwald hatte er vorbereitet. «Wir sind gerne Gastgeber für diese Meisterschaften» sagte er. Das schaffe Vertrauen. Er musste die Fruchtfolge für den Anlass anpassen, damit genügend Stoppelfeld und Grasland bereit sind. «Mein Plan sieht aus wie ein Schachbrett. Es war eine spannende Herausforderung für mich» betonte er. Die Fruchtfolge sei für den Schweizer Ackerbau typisch. Damit gebe es gegenüber Monokulturen weniger Krankheiten. Dörig betreibt Ackerbau und züchtet Angus-Rinder. Stellvertretend für die Teilnehmer erzählte Beat Sprenger von seiner Vorbereitung auf das Wettpflügen. «Ohne gute Technik ist man auf das Glück angewiesen» sagte er. Beim Training läuft ein Helfer hinter dem Pflug, um die letzten Feinheiten zu beobachten. Das sei vom Traktorsitz aus nicht möglich, erklärte Sprenger. Er war sieben Mal in Serie Schweizermeister und 2014 wurde er Vize-Weltmeister. Im nächsten Jahr findet die EM in Russland statt.
Nach dem offiziellen Teil zeigte Sprenger das Gespann aus Traktor und Kverne-Pflug, mit dem er an den Meisterschaften starten wird. Der Traktor der Marke SAME mit 70 PS ist rund dreissig Jahre alt. «Ein neuer Traktor bietet keinen Vorteil. Wichtig ist, dass er gut in der Hand liegt» lobte Sprenger seinen Veteranen.

Europameisterschaft in Zahlen
24 Traktoren werden an den Start gehen. Es ist mit Fixkosten von etwa 200?000 Franken zu rechnen. Sie werden durch Sponsoren und den Ticketpreis von 850 Franken finanziert. Im Ticket enthalten sind Kosten für Übernachtung und Verpflegung. Walter schätzt aus seinen bisherigen Erfahrungen, dass etwa eintausend Besucher kommen. Unter der Leitung von OK-Mitglied Urs Wenger aus Diessenhofen wird ein Festzelt mit 600 Plätzen aufgestellt. Markus Bürgin aus Basadingen koordiniert den Einsatz der etwa hundert freiwilligen Helfer.