Aktuell

Geplante Tiefenbohrung im Februar oder März 2019

Aufgrund der Erkundungsbohrung in Trüllikon informierte die nagra am Montagabend den Schlatter Gemeinderat

(fg) Die Thurgauer Gemeinde Schlatt sowie einige Gemeinden im Zürcher Weinland sind mögliche betroffene Gemeinden bei der näheren Auswahl eines Standortgebietes für ein nukleares Endlager in der Region «Zürich-Nordost» (der «Bote» berichtete). In diesem Zusammenhang haben sich am vergangenen Montagabend Vertreter der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (nagra) mit dem Gemeinderat Schlatt getroffen, um diesen über die bewilligte geplante Tiefenbohrung auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Trüllikon ZH zu informieren. Es ist geplant, die Erdschichten in einer Tiefe von knapp einem Kilometer auf ihre Eignung als mögliches Endlager für radioaktive Abfälle zu untersuchen. «Die geplante Sondierungsbohrung dient der genaueren Untersuchung des Untergrunds im Gebiet Zürich Nordost. Eine mögliche Oberflächenanlage wird es an diesem Standort nicht geben. Die Bohrung soll zusammen mit den bisherigen dreidimensionalen, seismischen Messungen ein genaueres Bild der für eine Lagerung in Frage kommenden Fels- und Gesteinsschichten geben», berichtet Marianna Frei, Gemeindepräsidentin von Schlatt. 

Keine Beeinträchtigung
Die nagra hat den Gemeinderat Schlatt am vergangenen Montag über die nächsten Schritte unterrichtet, da dieser Einsprache wegen des Bohrplatzes in Trüllikon eingereicht hatte. Die Bohrung nahe der Diessenhofener Strasse auf dem Gemeindegebiet von Trüllikon wird voraussichtlich sechs bis acht Monate andauern. Die Baustelleneinrichtung und somit die Bauphase beginnt bereits Ende Oktober und wird zirka drei bis vier Monate in Anspruch nehmen. In der Betriebsphase werden die Bohrmaschinen die ganze Zeit durchlaufen, damit die Stabilität des Lochs nicht gefährdet wird. «Die Vertreter der nagra erklärten uns, dass bei den Bohrungen strenge Vorgaben hinsichtlich der Lärmemissionen bestünden, wodurch in Schlatt nichts von der Tiefenbohrung zu hören sei. Ausserdem würden Schutzmassnahmen baulicher Art ergriffen werden, sodass man nicht von der Baustellenbeleuchtung gestört werden könne. Die Baustelle liegt aber ohnehin von Schlatt aus gesehen hinter einem Waldstück in Richtung Trüllikon, weswegen sie nicht zu sehen ist», erklärt die Schlatter Gemeindepräsidentin. Während der Bohrphase könnte es wöchentlich bis zu 50 Lkw-Fahrten kommen, die jedoch allesamt von Trüllikon aus über die Kantonsstrasse in Richtung Winterthur fahren würden, weshalb es in Schlatt nicht zu einer Verkehrsbeeinträchtigung komme. Die Kosten für die Bohrung belaufen sich auf rund 15 Millionen Franken.

Fortlaufende Information
Die Gemeinde Schlatt setze ihre Einwohner kontinuierlich über die neuesten Entwicklungen hinsichtlich des geplanten Tiefenlagers «Zürich-Nordost» in Kenntnis. Aktuell liege auf der Gemeinde beispielsweise eine Infobroschüre der nagra aus, die darüber hinaus auch von der nagra direkt an die Haushaltungen von Schlatt verschickt werde. Zudem werde in dem vierteljährlich erscheinenden Gemeindeblatt «Schlatter Informationen» stetig über den aktuellen Stand der Dinge berichtet und es wurde durch die nagra unter Telefon 0800 37 333 eine Gratis-Hotline aufgeschaltet, welche in der Betriebsphase während 24 Stunden erreichbar ist. «Wer möchte, kann sich auch an den geplanten Informationstagen direkt auf der Baustelle informieren lassen. Aufgrund dieses Informationsangebots sieht der Gemeinderat davon ab, zusätzlich eine Informationsveranstaltung zu organisieren», so Frei.
Im Anschluss an die geplante Bohrung wird es zur Auswertung der erlangten Erkenntnisse kommen. Gegebenenfalls wird es zu einer weiteren Bohrung am Standort Trüllikon 1 kommen oder zu weiteren Bohrungen im Gebiet «Zürich-Nordost», um einen noch detaillierteren Überblick der verschiedenen Gesteins­schichten zu bekommen. Aber laut Marianna Frei geht die nagra zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon aus, dass dies nötig sei.