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Die Folgen des niedrigen Pegels für die Schifffahrt

Remo Rey, Geschäftsführer der URh, berichtet über die diesjährige Saison und kommende Herausforderungen

Der Geschäftsführer der URh, Remo Rey (rechts), begrüsst Fahrgäste und Personal auf einem eben angekommenen Schiff.

 

(jva) Ein paar Tage nur dauerte der sperrige Start der Saison der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh). Sperrig, weil des Hochwassers wegen die stolzen Boote nicht unter der Holzbrücke in Diessenhofen durchkamen. Aber bereits auf Ostern zeigte der Rhein Reue, der Pegel fiel und auf der ganzen Strecke herrschte freie Fahrt. Bloss, die Zeit von der Reue bis zum Geiz dauerte nicht sehr lange. Am 23. Juli 2018 musste die URh vermelden: «Bis auf weiteres ist die Strecke zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein aufgrund von Niedrigwasser nicht befahrbar». Und der sonst so mächtige Strom bleibt dabei, keine Spur von Wassernachschub.
So endet eine der längsten Saisons mit nicht durchgehendem Betrieb. Wie soll das bloss weitergehen, wenn sich die Kapriolen des Klimawandels häufen? «Wir überlegen uns schon, wie wir den Fahrplan entspannen können, dass wir auch im Falle von Unterbrüchen genügend Reserve haben», so der Geschäftsführer der URh, Remo Rey. Die regelmässigen Verspätungen ergaben sich, weil durch die Sperren der Fahrplan mit drei Schiffen zwischen Stein am Rhein und Kreuzlingen nicht mehr aufging. Deren vier einzusetzen hätte das Budget für Personal und Betrieb weit über Gebühr belastet. Dennoch schätzt Rey den Verlust der Saison auf gegen 250 000 Franken, was aber nicht allein auf die Sperren zurückgeführt werden könne: «Schönes Wetter wie letzten Sommer genügt nicht, wenn es sehr heiss ist, bleiben namentlich ältere Leute weg und Familien ziehen das Baden vor». Im Übrigen sei der Sommer 2003 schlimmer gewesen, weil die Schiffe nicht mehr überall anlegen konnten. Doch eine gute Nachricht gibt es jetzt schon: Nach dem offiziellen Ende der Saison am Sonntag bietet die URh wochenends bis Ende Oktober je zwei weitere Rundfahrten zwischen Schaffhausen und Diessenhofen an. Wohl ein Trostpflaster gleichsam für die Ausfälle zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein? «Nein», berichtigt Remo Rey und fährt fort: «Das planten wir schon vor einem Jahr in Kooperation mit Schaffhauserland Tourismus und Schweiz Tourismus». Da sei es schon zu spät gewesen für das Einbinden in den Jahresfahrplan.

Fahrgast-Potenziale am Untersee
Die zunehmenden Störungen durch den Klimawandel beschäftigen die URh aber schon länger. Seit 2014 widmet sich deren Verwaltungsrat diesen Problemen und sucht nach Strategien für die nächsten Jahre, etwa mit neuen Angeboten für Extra­fahrten und neuen Kooperationen. «Ein Magnet für uns ist der Arenenberg mit seinen Seminaren, dem Napoleonmuseum und dem Weinbau», so Rey «und ein grosses Potenzial sehen wir am Nordufer des Untersees mit den vielen Gästen aus Deutschland und dem Norden». Nachholbedarf ortet er bei der technischen Ausstattung der Anlegestellen: «Wir überlegen uns, elektronische Anzeigen zu installieren, auf denen neben den Abfahrtszeiten in Echtzeit touristische Zusatzinformationen angezeigt werden können».