2. GENERATION

Louis Keller-Kuhn
26. März 1894–28. Oktober 1966
Geschäftsführer der Druckerei Steckborn von 1934–1966
in der 2. Generation

Der Beruf des Buchdruckers, war Louis Keller-Kuhn eigentlich in die Wiege gelegt worden. Schon sein Vater, Louis Keller-Steffen, gründete hier in Steckborn 1890 im Hause zum «Eisenhammer» eine Buchdruckerei. Dort erblickte Louis Keller als zweites von sieben Geschwistern am 26. März 1894 das Licht der Welt.

Gegen Ende der Jahrhundertwende verlegte der Vater von Louis Keller-Kuhn sein sich langsam entwickelndes Geschäft vom «Eisenhammer» an der Seestrasse, vis-à-vis des heutigen Firmensitzes, an die Kirchgasse ins «Haus zum Gutenberg, wo er 1900 den «Bote vom Untersee» herauszugeben begann. Vorher besass der Bezirkshauptort Steckborn kein eigenes Publikationsorgan und war auf den «Thurgauer Volks­freund» in Kreuzlingen angewiesen.

In der väterlichen Offizin machte Louis Keller auch die Lehre, um hernach an verschiedenen in- und ausländischen Druckereien, seine beruflichen Kenntnisse zu erweitern. In den elterlichen Betrieb zurückgekehrt, gründete er im Jahre 1929 mit Trudi Kuhn aus Bottighofen (sie amtete damals als Lehrerin in Salenstein) einen eigenen Hausstand. Aus der glücklichen und harmonischen Ehe entsprossen die Söhne Hansuli und Louis und die Tochter Trudi.

1934 verschied Vater Louis Keller-Steffen, womit die Führung des Geschäftes ganz in die Hände des Sohnes überging. Dabei stand auch Trudi Keller-Kuhn ihrem Gatten im Betriebe stets zur Seite, so dass es mit der Buchdruckerei aufwärts ging und die Räumlichkeiten an der Kirchgasse zu eng wurden.
1937 ergab es sich dann, dass das geschäftlich überaus günstig gelegene Haus zur «Ilge», früher «zur Farb», neben dem «Schwanen» erworben werden konnte, wo Louis Keller einen zweistöckigen Neubau mit Laden gegen die Seestrasse und Druckereiräumlichkeiten gegen den See erstellen konnte.
Wohl fiel der Geschäftswechsel in das heraufkommende Dunkel der Enddreissigerjahre. Es waren durchaus keine leichten Zeiten für die Buchdruckerei Keller. Der Geschäftsgang war flau und der herandrohende Zweite Weltkrieg lähmte die gesamte Wirtschaft. Zudem ist der Verlag einer Lokalzeitung noch selten ein gewinnbringendes Geschäft gewesen, und manches ähnliche Unternehmen konnte sich nur durch Ausführung von anderwertigen Druckaufträgen über Wasser halten. Doch mit den Nachkriegsjahren und dem damit zusammenhängenden guten Gang unserer beiden grossen Industrien Bernina und Kunstseide besserte sich auch hier in diesem Betrieb die Lage. Sämtliche Maschinen konnten mit den Jahren durch modernste und leistungsfähigere ersetzt werden. Die Früchte der langjährigen und harten Arbeit begannen zu reifen. Louis Keller war ja immer der erste und letzte im Geschäft gewesen, und selbst als das AHV-Alter an ihn herangetreten war, dachte er nicht daran, die Hände in den Schoss zu legen. Für ihn war die tägliche Arbeit längst zu einem unabänderlichen Bedürfnis geworden.

Mit seinem ruhigen Lächeln stand er seinem Betriebe vor und nie hörte man ein rauhes oder grobes Wort aus seinem Munde. Und als 1963 die ersten Anzeichen einer ernsten Krankheit auf seine Schultern klopften, blieb Louis Keller dennoch auf seinem Posten, bis ihn die Kräfte vollends verliessen.
In der Politik vertrat er die bürgerliche Mitte, ohne jedoch im Parteienkampf besonders hervorzutreten. Louis Keller war keine Kampfnatur. Liebe, Friede und Eintracht war sein höchstes Gut.
Sein gesellschaftlicher und freundlicher Geist machten ihn zu einem beliebten undgeschätzten Mitbürger. Lange Jahre betätigte er sich als Aktuar des Verkehrs­vereins und war im übrigen ein zu­verlässiges Mitglied des Handwerker- und Gewerbevereins sowie ein eifriger Aktiv­turner. Der Turnverein ernannte ihn in Verdankung für seine langjährige Treue zu seinem Freimitglied.

Nach langem Krankenlager entschlief Buchdrucker und Redaktor Louis Keller-Kuhn in seinem 73. Altersjahr. Wohl wehrte er sich mit seiner ihm eigenen Zähigkeit gegen seine Krankheit. Noch täglich war er in der Druckerei zu treffen, trotzdem ihm das Leiden schon lange auf dem Antlitz gezeichnet war. Er musste sich in Spitalpflege nach Münsterlingen begeben. Der dortige Aufenthalt brachte leider nicht die gewünschte Genesung. Wohl konnte er nunmehr nochmals an seinen Arbeitsplatz zurückkehren, doch verliessen ihn schliesslich auch hier die Kräfte, so dass er sich endgültig wieder aufs Krankenlager legen musste. Hier lag er still und ergeben, ohne zu klagen, umsorgt von seinen Lieben.

Louis Keller konnte ruhig von seinem Geschäft Abschied nehmen, hatte er doch die Gewissheit, dass sein Betrieb bei seiner Gattin und seinen zwei Söhnen in guten Händen liegt und in seinem Sinne weitergeführt wird.

Louis Keller-Kuhn

26. März 1894–28. Oktober 1966
Geschäftsführer der Druckerei Steckborn
von 1934–1966 in der 2. Generation

Trudi Keller-Kuhn
21. Februar 1902–19. September 1990
Seniorchefin der Druckerei Steckborn von 1934–1990

in der 2. Generation

Trudi Keller-Kuhn ist am 21. Februrar 1902 geboren und in Bottighofen aufgewachsen. Als junge Frau hatte sie nicht so sehr davon geträumt, Lehrerin zu werden, als vielmehr davon, Musik machen zu dürfen. Um ein Klavier zu bekommen, entschloss sie sich, das Lehrerseminar in Kreuzlingen zu besuchen. In ihrem Elternhaus war schon immer gerne gesungen worden, und während ihrer Seminarzeit kamen ihre Kameraden oft zahlreich zu ihr heim, um fröhlich zu sein, zu singen und zu tanzen.

Trudi Keller gab nach Abschluss ihrer Studien zum ersten Mal aushilfsweise Unterricht in Altnau, dann in Balterswil, bis sie nach Salenstein berufen wurde. Dieses Dorf liebte sie sehr, und dort lernte sie auch ihren späteren Ehemann Louis Keller aus Steckborn kennen. Als 27-jährige junge Frau kam sie nach Steckborn, wo sie die ersten paar Ehejahre ganz ihrer Familie widmete. Nach dem Tode ihres Schwiegervaters, Louis Keller-Steffen, übernahmen Louis und Trudi Keller-Kuhn die Druckerei im Hause zum Gutenberg an der Kirchgasse. Die Räumlichkeiten wurden mit der Zeit zu klein, die Wohnung zu eng. An der Seestrasse konnte ein altes Haus erworben werden, das abgebrochen wurde. 1938 war ein modernes Gebäude mit zeitgemäss eingerichteter Druckerei, einem Papeterie-Geschäft und zwei darüber liegenden Etagen bezugsbereit. Hier war nun reichlich Platz vorhanden für die Familie Keller mit der Tochter Trudi und den beiden Söhnen Hansuli und Louis.

Es war ein besonderer Verdienst von Trudi Keller, dass sie sich in jenen Jahren einer Schwester und eines Bruders ihres Mannes angenommen hatte, die mit ihnen zusammenwohnten; denn der Haushalt und ein Teil des Geschäftes belasteten sie doch sehr. Doch sie fand trotz der vielen Arbeit Zeit, in Chören mitzusingen und eine Gesangstunde bedeutete für sie den Höhepunkt des Tages. Auch war sie eine begeisterte Turnerin und wenn irgend möglich, versäumte sie keine Turnstunde.

Trudi Keller war eine in jeder Hinsicht noble Persönlichkeit. Das spürte ihre Familie, das spürten auch ihre Freunde und Bekannten genauso wie auch der weite Kundenkreis der Buchdruckerei und des Verlages. Sie wirkte aber auch durch ihre Ausstrahlung, die ihr trotz der krankheitsbedingten Einschränkung erhalten blieb, und war bis zuletzt der Mittelpunkt ihrer Familie. Zurückhaltend, klug und immer grosszügig nahm sie Einfluss; und bei Kleinigkeiten hielt sie sich nie lange auf. Im Geschäft war sie stets auf dem Laufenden; nichts wurde entschieden, ohne dass sie miteinbezogen worden wäre. Sie belohnte die Ihren mit ihrem Vertrauen und dem grosszügigen Handlungsspielraum, den sie ihnen einräumte.

Als ihre Gehbeschwerden es ihr verunmöglichten, ihre Kundschaft weiterhin selber zu bedienen, zog sie sich in ihre Stube im zweiten Stock zurück und half dafür bei allen anfallenden Buchhaltungsarbeiten. Dabei musste sie nie auf moderne technische Bürohilfsmittel zurückgreifen. Sie bewältigte selbst komplizierte Rechnungen im Kopf und zum grossen Erstaunen Jüngerer stets fehlerfrei.

Als Seniorchefin, die um den grossen Einsatz eines jeden Mitarbeiters wusste, ist sie ein Vorbild geblieben, das nicht nur Bewunderung abnötigte sondern Nachahmung provozierte. Und wer sie um Rat anging, begegnete ihrer klugen Lebenserfahrung und mitfühlenden Warmherzigkeit. Trudi Keller hat viele Menschen reich beschenkt mit ihrem mitmenschlichen Verständnis, ihrer Gradlinigkeit und vor allem mit ihrer Treue. In der Erinnerung wird ihre markante Persönlichkeit noch lange weiterleben.

Bis zu ihrem 81. Geburtstag war Trudi Keller-Kuhn jeden Tag im Geschäft tätig. Sie erledigte die anfallenden Büroarbeiten, korrigierte und betreute die Papeterie. Die initiative Geschäftsfrau schätzte den Kontakt mit ihren Freunden und Kunden.

Am Mittwoch, 19. September 1990, durfte die Seniorchefin der Druckerei Steckborn, Louis Keller AG und des Verlags «Bote vom Untersee»  nach einem erfüllten, arbeitsreichen Leben in ihrem Heim friedlich entschlafen.

 

 

 

Trudi Keller-Kuhn

21. Februar 1902–19. September 1990
Seniorchefin der Druckerei Steckborn
von 1934–1990 in der 2. Generation