FIRMEN- UND FAMILIENCHRONIK

1892 gegründet durch Louis und Albina Keller-Steffen

1892 gründete Louis Keller-Steffen aus Zürich, zusammen mit seiner Frau Albina Keller-Steffen aus dem luzernischen Wolhusen, im Haus zum Eisenhammer an der Steckborner Seestrasse 113, vis-à-vis der heutigen Druckerei, eine Buchdruckerei. Eine solche fehlte vorher noch in Steckborn und war der ansässigen Industrie und dem Gewerbe sehr willkommen. Nun bestand die Gelegenheit, auch im Städtchen verschiedene Geschäftsdrucksachen in Kürze herstellen zu lassen. Der Betrieb entwickelte sich so gut, dass gegen Ende des Jahrhunderts die Räumlichkeiten zu eng wurden. Die jungen Geschäftsleute erwarben an der oberen Kirchgasse das Haus zur Schmitte und änderten den Hausnamen auch gleichzeitig in Haus zum Gutenberg um, als Tribut an den Erfinder der Buchdruckerkunst. Louis und Albina Keller-Steffen verbesserten sich maschinell, kauften eine Schnellpresse und waren unter den ersten in Steckborn, die sich bei der Gründung des Elektrizitätswerkes Steckborn einen Elektromotor leisteten.

1900 Gründung des «Bote vom Untersee»

Als einziger Bezirk im Kanton besass Steckborn kein Lokalblatt. Zwar bestand früher ein solches unter dem Titel «Anzeiger vom Untersee», welches aber um 1885 nach Kreuzlingen dislozierte und in den «Thurgauer Volksfreund» umbenannt wurde. Im Herbst 1900 wurde die Frage erörtert, ob es nicht an der Zeit wäre, für Steckborn und Umgebung eine Zeitung ins Leben zu rufen. Es wurde darauf hingewiesen, dass eine solche den Behörden, Vereinen und Geschäftsleuten gute Dienste leisten könnte. Man zog den Besitzer der Druckerei Steckborn zu Rate und nach verschiedenen Besprechungen erklärte sich dieser bereit, auf Beginn des neuen Jahres den «Wurf» zu wagen. Am 22. Dezember 1900 erschien die erste Nummer der Lokalzeitung als sogenannte Weihnachtsnummer mit 2 Seiten Text und 2 Seiten Inserate unter dem Titel «Bote vom Untersee», Publikationsorgan für den Bezirk Steckborn und die angrenzenden Gemeinden. Louis Keller-Steffen, als Verleger des «Bote vom Untersee», entschloss sich für ein zweimal wöchentliches Erscheinen, und zwar am Mittwoch und am Samstag. Dieser Rhythmus einer zweimal wöchentlichen Erscheinung wurde beibehalten, aber die Erscheinungstage wechselten bald auf Dienstag und Freitag.

Ziel und Aufgabe einer Lokalzeitung

Die vom Gründer aufgestellten Grundsätze sind auch heute noch gültig. Die Zeitung soll allen Leuten als Sprachrohr für Anliegen von allgemeinem Interesse dienen, denen das Wohl der Gemeinde und des Staates am Herzen liegt. Alle politischen Parteien und Privatpersonen sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Wünsche und Ansichten zu veröffentlichen, sofern diese nicht ehrverletzend sind. Vereine und Kulturschaffende können über ihre Aktivitäten berichten. Besonderen Stellenwert hat besonders auch heute noch die Berichterstattung aus den verschiedenen Gemeindeverwaltungen. Die am öffentlichen Geschehen interessierten Leserinnen und Leser schätzen diese Mitteilungen. Aber auch für die Behörden bietet sich auf diesem Wege beste Gelegenheit, ihre Beschlüsse und Massnahmen zu erläutern und dem Bürger verständlich zu machen.

Zeitung erfordert erheblichen Arbeitsaufwand

Mit der Herausgabe der Lokalzeitung begann für das Druckereiunternehmen eine neue Zeit. Es galt, Verbindungen mit Korrespondenten anzuknüpfen, Abonnenten zu werben und Inserate zu sammeln. Das erforderte manches Schreiben und viele persönliche Kontaktaufnahmen. Die Hauptarbeit leistete in vorbildlicher Weise und unermüdlich die Gattin des Verlegers, Albina Keller-Steffen. Sie war für die gesamte Administration und auch für die Finanzen verantwortlich. Nicht nur früher, sondern auch heute herrscht an den Zeitungsproduktionstagen, am Montag und Donnerstag, immer eine Anspannung. Verlangt doch der Leser, dass sein Lokalblatt am Dienstag und Freitag in seinem Briefkasten liegt. Dazu ist es nötig, dass der «Bote» am Montag und am Donnerstag bis 18.00 Uhr der Post übergeben wird.

Von der ersten zur vierten Generation

Der Gründer der Druckerei, Louis Keller-Steffen, starb 1934 im Alter von 67 Jahren. Sein Sohn, Louis Keller-Kuhn, übernahm die Geschäftsleitung.

Die Räumlichkeiten an der Kirchgasse boten nicht mehr genügend Platz für Erweiterungen im Druckbereich. 1937 bot sich Gelegenheit, das Haus zur «Ilge» an ausgezeichneter Geschäftslage an der Seestrasse 118, zwischen dem Restaurant «Schwanen» und der «Alten Post», zu erwerben. Es war ein mehrere Jahrhunderte altes Gebäude, das abgebrochen und durch einen zweckmässigen Neubau ersetzt wurde. Es gab Leute, die der Ansicht waren, dass sich Louis Keller-Kuhn mit dem Kauf, dem Abbruch und dem Neubau finanziell ruinieren werde und dass er zu hoch hinaus wolle. Die Dreissiger- und die Kriegsjahre stellten ans Überleben der Druckereifamilie auch sehr hohe Ansprüche. Das Ehepaar Louis und Trudi Keller-Kuhn setzten trotz den schwierigen Zeiten ihr Vorhaben in die Tat um. So konnte am 1. September 1938 der Neubau bezogen werden. Die Architekten Gebr. Scherrer aus Kreuzlingen hatten den Auftrag übernommen. Dank ihrer Voraussicht wurde der Neubau auf einer Höhe erstellt, die das Gebäude auch vor einem Hochwasser schützen soll. So wurde die Druckerei auch beim Jahrhunderthochwasser 1999 vor grossen Schäden verschont und der Druckereibetrieb konnte aufrecht erhalten werden. 1966 starb Louis Keller-Kuhn im Alter von 72 Jahren. Seine Gattin Trudi Keller-Kuhn und sein ältester Sohn Hansuli Keller übernahmen die Geschäftsleitung.

Von der Einzelfirma zur Aktiengesellschaft

Um den Fortbestand der Druckerei zu bewahren, beschlossen die Erben, die Einzelfirma in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Trudi Keller-Kuhn wurde zur ersten Verwaltungsratspräsidentin gewählt. Mit unvermindertem Elan setzte sie sich für die Belange der Druckerei ein. Als ehemalige Lehrerin brachte sie auch ideale Voraussetzungen mit ins Geschäft für ein so anspruchsvolles Arbeitsprogramm. Noch bis kurz vor ihrem Tod, 1990, führte sie die Buchhaltung, nota bene ohne Rechenmaschine. Zu ihrer Zeit gab es noch sehr viel Handarbeit, wie Falzen, Zusammentragen und andere Ausrüstarbeiten. Trudi Keller-Kuhn war eine unermüdlich tätige Geschäftsfrau, die bis ins hohe Alter das Arbeiten nicht lassen konnte.

Der Bleisatz verschwindet

Eine riesige technische Entwicklung hat seit den 1980er Jahren das graphische Gewerbe umgekrempelt. Der Bleisatz wurde vom Fotosatz und dieser wiederum durch Desktop Publishing abgelöst. Um konkurrenzfähig zu bleiben, wurde der Betrieb sukzessive umgestellt und präsentiert sich heute als ein sehr modernes, effizientes Unternehmen. Die Druckvorstufe wurde vom Parterre in den ersten Stock verlegt. Die tüchtigen und zum Teil langjährigen Mitarbeiter schätzen die hellen Arbeitsräume, aber auch die technischen Geräte, die eine vielseitig Gestaltung nicht nur für Drucksachen, sondern auch für die Zeitung ermöglichen. Während in der Druckvorstufe Computer vorherrschen, befinden sich nun im Parterre moderne Druck- und Ausrüstmaschinen. Eine Zweifarbenmaschine ermöglicht einen speditiven Zeitungs-, Broschüren- und Farbendruck. Während früher die Zeitungen noch von Hand gefalzt und ineinander gesteckt wurden, erledigt diese Arbeit heute die «Mary», eine speziell für die Zeitung hergestellte Falz- und Zusammentragmaschine. So kann heute die Zeitungsausrüstung und Spedition von zwei Leuten getätigt werden. Grosse Arbeitserleichterung bringt auch die Ausrüstmaschine mit der Broschüren bis 80 Seiten in einem Arbeitsgang hergestellt werden können.

Nach frühem Tod von Hansuli Keller übernimmt Schwester

Als 1987 Hansuli Keller im 58. Lebensjahr an einer schweren Krankheit starb, war die Zukunft der Druckerei Steckborn und des «Bote» ungewiss. Hansuli Keller leitete nicht nur die Druckerei, er war auch mit Leib und Seele Redaktor und Verleger. Glücklicherweise erklärten sich alle Mitarbeiter bereit, sich für die Erhaltung der Zeitung tatkräftig einzusetzen. Hansuli Kellers Schwester Trudi Hollenweger-Keller übernahm in der dritten Generation die Geschäftsleitung.

Als Verlegerin war sie auch für den «Bote» verantwortlich. Besonders zu Beginn musste sie sich mit manchen Tücken herumschlagen. Es war und ist auch heute noch nicht leicht, es allen Leuten recht zu machen. Aber wo man arbeitet, gibt es auch Fehler. Nur leider wiegen Fehler, die gedruckt sind, schwerer als das gesprochene Wort. Kann man doch ein gedrucktes Wort nicht zurücknehmen. Dass aber eine Lokalzeitung auch heute noch bei vielen Leuten beliebt ist, zeigt die Zahl der treuen Abonnenten und Inserenten. Besonders mit den Inseraten, die auch sehr kostengünstig sind, erreicht man viele Leserinnen und Leser. Die Gemeinden können ihre amtlichen Mitteilungen publizieren, Gastwirte und Vereine auf besondere Anlässe hinweisen, Geschäfte auf spezielle Aktionen aufmerksam machen. Die Inserate, auch die kleinen, wie zu vermieten, zu verkaufen und Gratulationen, werden aufmerksam gelesen und verschwinden nicht in einem unübersichtlichen Inserateteil, wie bei den meisten Tageszeitungen. 

Mit der 4. Generation ins zweite Jahrhundert

Seit 1995 arbeitet nun auch die 4. Generation im Betrieb mit. Martin Keller, gelernter Typograph, ist heute verantwortlicher Redaktor, Geschäftsleiter und Inhaber. Nach dem Tod von Trudi Hollenweger-Keller im Jahre 2002 hat er die Gesamtverantwortung übernommen.

Im Jahre 2000 wurde das 100-jährige Bestehen des «Bote vom Untersee» gefeiert. An einem grossen Fest bezeugten viele Einwohnerinnen und Einwohner am Tag der offenen Tür sowie geladene Gäste an der Feier auf der MS Schaffhausen auf dem Untersee ihre grosse Verbundenheit mit der beliebten Lokalzeitung. 

Als Meilenstein in der Geschichte der Druckerei Steckborn darf die Übernahme des «Anzeiger am Rhein» im Jahre 2004 genannt werden. Veleger Werner Sigrist verkaufte die Rechte an der Lokalzeitung für den ehemaligen Bezirk Diessenhofen nach Steckborn. Um den neuen Abonnenten und dem vergrösserten Einzugsgebiet gerecht zu werden, nennt sich der «Bote vom Untersee» seither «Bote vom Untersee und Rhein». Rund 1000 Abonnenten sind somit zu rund 4000 bestehenden Abonnenten dazugekommen. Für den «Bote» eine wichtige Vergrösserung.

Aufgrund knapper Platzverhältnisse wurde auf der grossen seeseitigen Terrasse ein stufenartiger Anbau beschlossen. Dieser wurde 2008 realisiert und bietet am bestehenden Standort den gewünschten Platzgewinn und zudem für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Arbeitsplätze mit Seesicht.

Nur drei Jahre später, im Jahre 2011, investierte die Druckerei Steckborn in eine 4-Farben-Offsetdruckmaschine. Diese ersetzte eine 2-Farben-Offsetdruckmaschine. Der Kapazitätsgewinn dadurch ist erheblich. Mit diesen beiden für die Druckerei Steckborn enormen Investitionen hat das Traditionsunternehmen ihre Stellung als leistungsfähigste Druckerei am Untersee und Rhein bekräftigt und gefestigt.

Die heute 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Druckerei Steckborn, davon zwei Auszubildende, haben sich ganz der Region Untersee und Rhein verschrieben. Aus diesem Gebiet kommt auch der grösste Teil der Auftraggeber der Druckerei. Ebenso berichtet der «Bote» praktisch ausschliesslich aus der Region. Stete Investitionen in Betriebsmittel sind in der schnelllebigen Grafischen Branche eine Voraussetzung für den Erfolg. Aber auch der Aufbau von neuen Geschäftsfeldern, wie das noch relativ junge Angebot von Digitaldrucksachen und der Kopierservice für die Laufkundschaft, runden das Angebot ab. Und auch die Ökologie spielt eine Rolle: Ob das Zertifikat für die Verwendung von FSC-Papieren aus ökologischer Waldbewirtschaftung oder das Angebot, die Drucksachen CO2-neutral herzustellen, auch bei diesem Thema geht die Druckerei Steckborn mit der Zeit.

Dem Anspruch, den «Bote vom Untersee und Rhein» auch digital lesen zu können, wurde mit der Lancierung des Online-Abos Anfang 2015 Rechnung getragen.